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Reiches Lebensmosaik - Dankeschön!

Reiches Lebensmosaik - Dankeschön!


# Aktuelles
Datum der Veröffentlichung Veröffentlicht am Donnerstag, 2. Juni 2022, 16:11 Uhr

Als sich 1883 der weltberühmte Architekt Antonio Gaudí an den Bau der Familia Sagrada in Barcelona machte, beugte sich zeitgleich in Hamburg sein Kollege Johannes Otzen über die Pläne der St. Gertrud-Kirche. Mir gefällt diese Berührung der Geschichte zweier Orte auf meinem Lebensweg: Der eine (Barcelona), wohin wir als Familie aufbrechen und als Pastoren arbeiten werden. (Nicht in der Familia Sagrada, sondern in der kleinen Martin-Luther-Kirche der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde.) Der andere (rund um die Kuhmühle), wo wir die vergangenen Jahre lebten.

In beiden Kirchen kann man Mosaiken finden. So unterschiedlich sie in Formen und Farben auch sind, so teilen sie doch die gleiche Technik: Aus vielen verschiedenen Steinchen wird ein Ganzes, ein Bild zusammengesetzt. 

Mosaiken sind für mich ein schönes Sinnbild für die eigene Lebenszeit: Sie puzzelt sich aus vielen unterschiedlichen Augenblicken und Begegnungen zusammen. In St. Gertrud ist mein Lebensmosaik deutlich gewachsen und bunter geworden. Zuallererst durch die Menschen, die ich kennenlernen und mit denen ich arbeiten durfte. Das ist der wahre Schatz dieses Berufes: Menschen in besonderen Lebensmomenten zu begleiten: Um das große Taufbecken herum, wenn der Hochzeitsmarsch erklingt, wenn das Herz schwer und traurig Abschied nehmen muss. Überhaupt: In St. Gertrud Gottesdienste und Veranstaltungen zu feiern, ist besonders, vor allem das Ausprobieren hat mir viel Spaß gemacht: Poet:innen sprechen und Singer-Songwriter:innen rocken zu lassen; mit Kampnagel die Kirche voll Nebel zu pumpen, in Seitengespräche zu moderieren, Goldene Konfirmationen zu organisieren, neue Formen in der Coronazeit zu entwickeln, nach der B-Seite kirchlicher Arbeit zu suchen, kurz: die alte Dame St. Gertrud jung und sprachfähig in einer sich rasant verändernden Welt zu halten. Dazu gehörten auch Strandkörbe und Buchstaben vor der Kirche, Lichtworte am Kirchturm, die vielen Begegnungen auf den Flohmärkten, durch Gruppen und Kreise, mit Stadtteilentdeckern, bei besonderen Konzerten und Lesungen. die sich immer wieder treffen. Und es gehörte natürlich noch dazu… ach, gibt so viel, nicht nur die Highlights, auch die kleinen, leisen Momente - und das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde. 

Die Zeit in und mit St. Gertrud hat mein Lebensmosaik wunderbar gefüllt, dafür kann ich mich nur herzlich bedanken: bei Ihnen und Euch!

Zwischen Abschied und Aufbruch wird mir gerade bewusst, wie sehr dieses Mosaik des Lebens nie nur ein starres Bild, sondern ständig in Bewegung ist. Ich muss an ein Kaleidoskop denken: Der Schritt nach Barcelona dreht das Lebensbild, die gesammelten Augenblicke verrutschen im Ganzen, ein anderes, neues Bild entsteht. Dennoch spiegelt sich in dem, was wird, immer die Einzigartigkeit von dem, was war, wider. Und es leuchtet auf in dem einen Licht, dem Segen Gottes! Diesen Segen wünsche ich St. Gertrud von ganzem Herzen: dem Team, dem Kirchengemeinderat und Kolleg:innen für alle Herausforderungen, die es in der Zukunft zu meistern gilt; den alten Mauern, um innen und außen immer wieder ein Stück Himmel im Stadtteil zu erden; den – ganz kleinen bis ganz alten – Menschen, die länger oder nur kurz auf den alten Bänken Platz nehmen und mit einem großen Stück Hoffnung sich wieder auf den Weg machen. 

Euer Oliver Spies