Geschichte der St. Gertrud Kirche

Die St. Gertrud-Kirche ist mit ihrem schlanken, 88 Meter hohen Turm und der schönen Backsteingotik auch nach über 125 Jahren ein weithin sichtbares Wahrzeichen von Hohenfelde und Uhlenhorst.

Bereits seit 1399 gab es in der Innenstadt eine St. Gertruden-Kapelle, die allerdings 1842 bei dem Großen Brand zerstört wurde und an die heute nur noch der Name "Gertrudenkirchhof" erinnert.

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. stiegen die Bevölkerungszahlen in den Vororten drastisch an und diese wandelten sich in Stadtteile mit urbaner Bebauung. 1881 tauschte die Kirche mit der Stadt das ihr immer noch gehörende Grundstück der Gertrudenkapelle mit dem Grundstück am Kuhmühlenteich.

Für die Grundsteinlegung der neuen Kirche im Jahre 1882 wurde passenderweise auch der 40.Jahrestag der Zerstörung der alten St. Gertruden-Kapelle gewählt.

Die Ausschreibung für den Neubau der Kirche gewann Johannes Otzen. Bemerkenswert ist, daß 460 (!) verschiedene Backsteinsorten verwendet wurden. Ungewöhnlich ist auch der Turm, der bis in die Spitze gemauert ist. Nach nur  dreijähriger Bauzeit wurde 1885 die im neogotischen Stil erbaute Kirche eingeweiht und ziert seitdem unsere beiden Stadtteile. 

 Zur Kirche gehören auch die beiden rechts und links stehenden Pastorate, in denen sich heute die Gemeinderäume, ein Kindergarten und die Wohnungen der Pastoren befinden. Trotz des heute sehr aktiven Gemeindelebens lässt sich kaum erahnen welche Bedeutung die Kirche in ihren früheren Jahren hatte. Im Jahre 1902 musste für die Konfirmationen sogar auf Wochentage ausgewichen werden, da man für die 1.688 (!) Konfirmanden nicht genügend freie Sonntage zur Verfügung hatte. Die hohe Zahl der Gemeindemitglieder (1902 waren es ca. 105.000!) führte so auch zu weiteren Kirchengründungen, z. B. 1905 zum Bau der Heiligengeistkirche in Alt-Barmbek und der Heilandskirche 1930 auf der Uhlenhorst.

Durch das Großhamburggesetz 1937 rückte die St. Gertrud-Kirche dann sogar ganz in den Mittelpunkt der Stadt, denn der geografische Mittelpunkt Hamburgs befindet sich unweit der Kirche.

Den 2. Weltkrieg hat die Kirche recht gut überstanden, was leider für viele der umliegenden Gründerzeitbauten nicht zutrifft, die in den 50er Jahren durch zeitgemäße Wohnblocks ersetzt wurden.

Im Kircheninneren wurde die stark beschädigte aber aufwendige Bemalung 1962 bei Renovierungsarbeiten weiß verputzt, was der Kirche sicherlich einen freundlich hellen Eindruck gibt, aber die ursprüngliche Wirkung nicht mehr vermitteln kann. Dem Engagement einzelner Gemeindemitglieder ist es zu verdanken, dass die zerstörten Glasfenster der Apsis durch die zur gleichen Zeit entstandenen und geretteten Fenster der im Krieg zerstörten Nicolaikirche ersetzt werden konnten.